Das Projekt


ZUKUNFT


 

Die B-Side wird das laut pochende Herz des kulturellen Lebens am Münsteraner Hafen und im Hansaviertel sein. Im Hill-Speicher, einem der ältesten noch stehenden Gebäude am Hafen, wird auf über 2000 m² Fläche das entstehen, was eine Stadt lebendig, spannend und kreativ macht: für Kunst und Kreativität, für Experimente im Kopf wie an der Werkbank, für Bewegung und Sport, Theater und Musik, zum Lernen und Kennenlernen, zum Feiern, aber auch für Debatten über die Entwicklung unserer Stadt und Lösungen für die Gesellschaft von morgen. Kurzum: Ein Ort, um Ideen die Chance zu geben, Realität zu werden.

Isometrische Darstellung Projektbausteine der B-Side

 

Dafür wird die B-Side ein vielfältiges und vor allem bezahlbares Raumangebot bieten – ohne damit einen Gewinn erzielen zu wollen. Alle Einnahmen werden ausschließlich das Projekt refinanzieren. Zentraler Ort wird das Quartiers-Wohnzimmer. Hier kann man mit Blick aufs Wasser in gemütlichen Sesseln entspannen, aber auch Werke der Künstler*innen und Kreativen betrachten, die in unseren Ateliers und Studios ihren Ideen ohne Druck durch hohe Mieten freien Lauf lassen. Flächen dieser Art gibt es in Münster viel zu wenig, weshalb die B-Side hilft, talentierte Keative in der Stadt zu halten.

Inspiration holen können sich Besucher*innen auch bei den zahlreichen Workshops, Seminaren und anderen Bildungsangeboten, die in unseren Veranstaltungs- und Begegnungsräumen stattfinden werden. Hier wird es um die großen und kleinen Themen gehen, um Probleme, immer aber auch um Lösungen: Um ressourcenschonenden Konsum, um Mietsteigerungen, Gentrifizierung und Verdrängung im Hafenviertel und in Münster, um die Mobilität der Zukunft und Urban Gardening, Globalisierung und Klimawandel.

Impulse für die Bildungsangebote der B-Side kommen auch aus dem B-Hive, unserem Coworking-Space für Soziales Unternehmertum und aus den Räumen, in denen NGOs, Social Startups und gemeinwohlorientierte Initiativen ihren Platz finden, um ohne finanziellen Druck und unter einem Dach mit ihrem Publikum und Kooperationspartnern an Ideen für die Gesellschaft von morgen zu arbeiten. Doch nicht nur den Geist, auch den Körper wird die B-Side in Bewegung setzen. Für Tanzgruppen, freies Theater, Musik- oder Yogaangebote wird die B-Side Räume bieten. Die ganz Sportlichen können ja mal bei unseren Nachbarn im Erdgeschoss anklopfen: Dort wird der Ruderverein Münster von 1882 e.V. sein neues Zuhause finden. Es kann gar nichts anderes als großartig werden!

 

 


GEGENWART


 

Die B-Side besteht aus einem stetig wachsenden Kollektiv, das sehr viel Zeit und Hirnschmalz darauf verwendet, die Vision eines gemeinnützigen, nichtkommerziellen Kulturzentrums an einem der zentralen Orte Münsters Realität werden zu lassen. Denn damit das Leben in den Hill-Speicher zurückkehren kann, müssen einige Fragen geklärt werden. Wie konstruiert man eine gGmbH, die auch in Zukunft die gruppendynamischen Bottom-Up-Prozesse ermöglicht, die vielen Menschen die Chance zur Mitgestaltung bietet? Wie kann das Gebäude kostengünstig renoviert und so aufgeteilt werden, dass für alle Nutzungsarten genügend Platz zur Verfügung steht? Wie können Besucher*innen und Mieter*innen sich untereinander vernetzen, um einen möglichst fruchtbaren Austausch zu erreichen? Wie hoch dürfen die Mieten sein, um Mieter*innen ein möglichst druckfreies und sicheres Arbeiten zu ermöglichen? Wie muss eine offene Werkstatt ausgestattet sein, um unseren Besucher*innen entsprechend ihren Fähigkeiten freies Werken und Basteln zu ermöglichen? Wie überzeugen wir Dich, der B-Side einen kleinen Direktkredit zu gewähren? (Ф∀Ф)

Die größte Herausforderung des Projekts ist natürlich seine Finanzierung, denn Umbau und Sanierung des alten Hill-Speichers sind alles andere als günstig. Während ein Teil des Projekts von über eine Schwarmfinanzierung gesichert werden soll, muss der Löwenanteil der Investitionskosten mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Seit 2016 befindet sich die B-Side in der Qualifizierungsphase für Mittel aus der Städtebauförderung des Landes NRW und das Kollektiv arbeitet hart daran, dass der Antrag über diese Fördermittel Erfolg hat. Er läuft Ende 2018 über die Stadtverwaltung. Damit er Erfolg hat, muss rechtzeitig ein fertiges Projektprofil inclusive Programmatik und Geschäftsentwicklungsplänen vorgelegt werden; gleichzeitig muss die architektonische Planung des Raumprogramms abgeschlossen sein. Darum hat jeder Projektbaustein der B-Side eine eigene AG, die zurzeit fieberhaft auf diese Deadline hinzu arbeitet.

Das Kollektiv vereint mittlerweile die verschiedensten Fähigkeiten und setzt sich zusammen aus Juristen, Architektinnen, Soziologen, Kommunikationswissenschaftlerinnen, Sozialarbeitern, Künstlerinnen, Köchen und vielen Menschen aus anderen Disziplinen, die es braucht, um ein so komplexes Projekt an den Start zu bringen. Die interne Kommunikation findet abseits von diversen Arbeitstreffen im alten Hill-Speicher auch in der digitalen Welt statt. Ein Großteil der Projektentwicklung läuft mittlerweile über Online-Tools , denn fachkundige IT-ler sorgen dafür, dass der rege Austausch auch dann funktioniert, wenn nicht immer alle vor Ort sind.

Einige B-Sider*innen planen zur Zeit das B-Side-Festival, was in diesem Jahr zum dritten Mal am Hansaring stattfindet. Andere sitzen seit über einem Jahr gemeinsam mit dem Ruderverein, der Stadtverwaltung, der Wirtschaftsförderung Münster und den Fördermittelgebern in regelmäßigen Lenkungskreisen, um die Projektentwicklung voran zu treiben. Nachdem die architektonischen Leistungen europaweit ausgeschrieben werden mussten, bekam das Architekturbüro Heinrich Böll Ende 2017 den Zuschlag für die architektonische Umsetzung. Eine gute Nachricht, denn mit Kulturprojekten in alten Industriegebäuden kennt sich das Büro bestens aus und hat z.B. mit dem Umbau der UNESCO-Weltkulturerbestätte Zeche Zollverein in Essen bereits ein weitaus größeres Backsteingebäude auf Vordermann gebracht.

Kurzum: viele parallel laufende Baustellen und Projekte und eine unglaubliche Gruppendynamik, die dafür sorgt, dass sie allesamt angepackt und kreativ umgesetzt werden! Wer weiß, vielleicht kannst ja auch du etwas, das das Projekt nach vorne bringt? Die größte Stärke und das wichtigste Leitmotiv der B-Side ist seit ihren Anfängen das Bottom-Up-Prinzip. Die Truppe freut sich über jeden Neuzugang. Melde dich, oder komm einfach zum Plenum (mittwochs um 18 Uhr).

 

 


VERGANGENHEIT


 

Hafen und Hansaviertel sind ein teures, für viele zu teures Pflaster geworden. Das war lange Zeit ganz anders. Jüngere Münsteraner*innen werden es sich kaum vorstellen können, aber in grauer Vorzeit war der Hafen tatsächlich das: ein Hafen, über den Waren wie Kartoffeln oder Getreide nach Münster kamen. Um diese weiterzutransportieren, war das Wasser gesäumt von Gebäuden wie dem Hill-Speicher, von dem aus die Hill-Gruppe ihre Supermärkte belieferte. Hill ging in einer großen Supermarktkette auf, andere Transportwege wurden wichtiger, und bis in die 80er verlor der Hafen weitgehend seine Funktion. Immer mehr Gebäude am Hafen standen leer – und wurden kostengünstig an freie Kreative vermietet, die dem Gebiet neues Leben einhauchten, es für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzten.

Diese sehr freie Zeit neigte sich ihrem Ende zu, als die Stadt in den späten 90ern und frühen 2000ern begann, alte Hafengebäude am Nordwestufer des Hafens zugunsten der Glas-und-Stahl-Fassaden des „Kreativkai“ abzureißen. Ein zweischneidiger Prozess, denn die Kreativen, die den Hafen erst wieder attraktiv gemacht hatten, konnten sich die stark gestiegenen Mieten nun kaum noch leisten. So nahm die Gentrifizierung ihren Lauf. Doch im Hill-Speicher, auf der „B-Seite“ des Hafens gegenüber Kreativkai und Osmohallen gelegen, formte sich Widerstand gegen diesen Verdrängungsprozess. Mit einer Mischung aus freier Kunst, legendären Parties und einer Politik der Offenen Tür etablierte sich im Hill-Speicher ein aktives und strahlkräftiges Kulturzentrum der lokalen Subkultur.

Doch ab 2015 war Schluss damit, als der Erbpachtvertrag auslief. Ein Teil dieses mittlerweile „B-Side“ genannten Kollektivs stemmte sich jedoch gegen die geplante Privatisierung und erarbeitete in Windeseile die Vision eines neuen Nutzungskonzepts. Das überzeugte 2016 auch den Stadtrat von Münster, der B-Side im Hill-Speicher eine Chance zu geben, um ein Geschäftskonzept und Pläne für die Sanierung des Speichers aufzustellen. Jetzt, im Sommer 2018, befindet sich die B-Side im Endspurt ihrer Planungen. Auch du kannst mithelfen, sie ins Ziel zu bringen und einen freien Ort am Hafen schaffen, an dem du entspannen, Kunst und Kultur genießen, diskutieren, produzieren und die Zukunft deiner Stadt mitgestalten kannst.