Trägerschaftskonzept & Finanzierung der B-Side

Das Trägerschaftskonzept

Um unsere Kernziele zu verwirklichen, schaffen wir mehrere Instanzen im Haus. Das Konzept entspringt dem Freiburger Mietshäuser Syndikat, mit welchem wir eine Partnerschaft anstreben. Dieses Modell ermöglicht es, Immobilien nachhaltig dem Markt zu entziehen, und damit die Unabhängigkeit von Preisspiralen im Mietspiegel oder Bodenpreis zu erreichen und so Gentrifizierungsprozessen aktiv entgegen zu steuern. Dies bildet die Basis der Finanzierung der B-Side.

Finanzierung der B-Side - Modell der Haus-GmbH mit dem Miterverein und dem Mietshäuser Syndikat

Instanzen und Verbindungen rund um die GmbH

Die B-Side GmbH begründet Teileigentum am Gebäude, zahlt die anfallende Sanierung und wird Erbpachtnehmerin ihrer Grundstücksanteile. Sie vermietet die Arbeitsräumlichkeiten an die Mieter*innen, die öffentlichen Räumlichkeiten an den gemeinnützigen B-Side Kultur e.V.. Alle Mieter*innen sind Mitglied im Mieterverein B-Side e.V.. Der Mieterverein ist mit 51% Hauptgesellschafter der GmbH, und steuert diese in nahezu allen Belangen, welche das Haus und das Projekt angehen. Hierdurch wird die Selbstverwaltung erreicht. Der zweite Gesellschafter wiederum ist die Mietshäuser Syndikat GmbH. Diese besitzt beschränkte Veto-Rechte, welche in der Satzung der B-Side GmbH festgelegt sind und eine gemeinnützige, faire und profitfreie Zukunft absichern.

Finanzierung und Refinanzierung

Das Stammkapital wird über den engeren Kreis der B-Side-Aktivist*innen gestellt und zinslos geliehen. Abseits von möglichen, investiven Fördermaßnahmen wird der Großteil der Investitionskosten durch Bankkredite gestellt. Das normalerweise nötige Eigenkapital in Höhe von 10-30% wird durch nachrangige Direktkredite an die GmbH aus der Bürgerschaft gestellt. Diese Direktkredite können bis zu 1,5% verzinst werden.
Laufende Kosten, Zins und Tilgung der Darlehen werden über die Mieteinnahmen der GmbH refinanziert.

Das Mietshäusersyndikat

Das Mietshäusersyndikat ist ein Solidarverbund selbstverwalteter Hausprojekte. Primär entwickelt um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, zählt das Syndikat mittlerweile 112 erfolgreiche Projekte in Deutschland, darunter auch ein anderes rein gewerbliches Projekt in Hamburg, der Handwerkerhof Ottensen.

Durch die Wächterfunktion des MHS kann keines dieser Projekte wieder dem privaten Immobilienmarkt zugeführt oder profitorientiert verwertet werden. Alle Projekte zahlen einen Solidarbeitrag, mit welchem neue Hausprojekte angestoßen oder bestehende unterstützt werden können. Dadurch ist die Immobilie auch nie mietfrei, wie bei einer traditionellen Eigentumsauffassung: nach kompletter Tilgung der Kredite wird der faire Mietzins stetig weiter gezahlt und solidarisch investiert:

Finanzierung der B-Side: Mit der Solidargemeinschaft des Mietshäuser Syndikats werden Profite genutzt, um neue Projekte anzustoßen.

Grafik adaptiert von der Homepage des Mietshäuser Syndikats

Die Steuerung des Syndikats ist ebenfalls ein geschlossener Kreislauf: Jeder Mieterverein ist Mitglied des Mietshäuser Syndikat Vereins. Dieser Verein wiederum ist alleiniger Gesellschafter der MHS GmbH, welche Minderheitsgesellschafterin in allen Haus-GmbHs ist:

Finanzierung der B-Side: Die Mietshäuser Syndikat GmbH, welche Minderheitsgesellschaftlerin in allen Hausprojekten ist, wird allein durch den Mietshäuser Syndikat Verein gesteuert, in welchem wiederum die Mietervereine aller Hausprojekte Mitglied sind.

Die Mietshäuser Syndikat GmbH, welche Minderheitsgesellschaftlerin in allen Hausprojekten ist, wird allein durch den Mietshäuser Syndikat Verein gesteuert, in welchem wiederum die Mietervereine aller Hausprojekte Mitglied sind.

Finanzierung der B-Side – Direktkredite

Die erwähnten Direktkredite haben durch ihre Nachrangigkeit wie bereits erwähnt den Vorteil, von Kreditinstituten als Eigenkapital gewertet zu werden. Somit hängt die Finanzierung der B-Side nicht von einer/einem finanzstarken Investor*in ab, sondern kann auf mehrere Schultern verteilt werden. Gewissermaßen ein Projekt aus der Bürgerschaft, finanziert von der Bürgerschaft. Dies hat außerdem den Vorteil, dass auch finanziell schlechter gestellte Menschen Mieter*innen in der B-Side werden können, und keinen eigenen Anteil aufbringen müssen, wie es zum Beispiel bei einer Genossenschaft der Fall wäre. Ebenso ist die Mitsprache von der finanziellen Teilhabe entkoppelt: die B-Side ist selbst verwaltet und überzeugt Geldgeber*innen durch ihre Inhalte, lässt sich aber nicht ihre Inhalte durch finanzstarke Unterstützer*innen diktieren. Eine Mitbestimmung ist also beschränkt auf eine aktive Rolle im Mieterverein, beziehungsweise im Kulturverein wenn es um die öffentlichen Flächen geht.

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Mieter*innen können, müssen aber keinen Direktkredit an die GmbH vergeben. Ihre Mitgliedschaft im Projekt ist somit — nicht wie einer Genossenschaft — vom privaten Vermögen unabhängig. Umgekehrt bedeutet ein Direktkredit kein Mitspracherecht: Die B-Side GmbH soll einzig vom Mieterverein gesteuert werden, unter Berücksichtigung der Veto-Rechte des Minderheitsgesellschafters.

Durch seine Gemeinnützigkeit ist der Kulturverein ebenfalls in der Lage, Sach- oder Geldspenden entgegen zu nehmen. Eine Unterstützung der kulturellen Arbeit ist hier also separat möglich.

Mehr Infos über die Möglichkeit, der B-Side GmbH einen Direktkredit zu geben