Der Hafen Münster im Umbruch

Der Kreativkai und erste Wandlungen

Der Stadthafen I ist seit den 90er Jahren ein Dreh- und Angelpunkt der innerstädtischen Entwicklung Münsters. Nachdem die Nutzung des Stadthafens als Umschlagplatz in der 70er Jahren auslief, wurden die attraktiven, innenstadtnahen Grundstücke für eine andere Nutzung verfügbar. Ein erster Entwurf eines Medien- und Kommunikationszentrums wurde abgelehnt, jedoch übertrug sich der Name „Kreativkai“ auch in das ab 1997 angesteuerte und nunmehr vollends realisierte Konzept der Erneuerung des Nordkais, mit dem Ziel eine „kleinteilige Mischung von kultureller Nutzung, Gastronomie und hochwertigen Dienstleistungen (Architekten, Ingenieure, Verlage), mit vereinzelt verbliebenem Gewerbe“* zu etablieren. Entlang des Kais, sowie in Teilen des hinterliegenden Häuserblocks, ergänzten Neubauten nun einige sanierte hafentypische Gebäude, darunter auch den „Speicher II“ mit städtisch ausgelobten Atelierräumen und einer Kunsthalle.

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Der Hafen Münster mit dem „Kreativkai“ auf der linken Seite, dem Wolfgang-Borchert-Theater im Flechtheim-Seicher und der Krananlage „Giraffe“ auf der rechten Seite, am Mittelhafen.
Foto von Hydro bei Wikipedia

Die Hafenmeisterei aus der Gründerzeit sowie viele Verladekräne überlebten die Umstrukturierung nicht. Um den neuen Hafenplatz in der Flucht des Hafenbeckens entstanden große Bauvorhaben, wie die Verwaltung der Stadtwerke, eine Bankfiliale oder ein Kino-Komplex. Im Zuge dieser Requalifizierung wurde der Hafen zu einer beliebten Ausgehmeile, mit Cafés, Kneipen, Restaurants und Clubs. Die unmittelbare Nachbarschaft zum „Hansa-Kiez“ — einem eher günstigen Studentenviertel mit Kneipentradition — ließ das Nachtleben zu.

Kreativkai … für wen?

Doch bereits der Hafenumbau zum „Kreativkai“ hatte negative Folgen für die lokalen kreativen Akteure: Selbstständige und kleine Strukturen, welche den Hafen seit den 80er Jahren als Spielplatz entdeckt, gestaltet, lebenswert gemacht und sich in günstigen Räumen niedergelassen hatten, fanden sich im Raumangebot sowie im Mietspiegel der „hochwertigen Dienstleistungen“ nicht wieder. Ebenso schlug sich die gesteigerte Attraktivität des Viertels bereits in Form von Sanierungsvorhaben und gesteigerten Mietpreisen nieder und die Gentrifizierungsprozesse beschleunigten sich. Nachdem die Firma Ostermann und Scheiwe im Jahr 2001 Insolvenz angemeldet hatte, bezogen viele Kreative günstige Flächen im ehemaligen Verwaltungstrakt des Osmo-Holzhändlers**. Auch die Südseite des Hafens war zu jener Zeit noch von der Entwicklung ausgeschlossen und viele Kreative kamen in einigen alten Hafengebäuden günstig zur Zwischennutzung unter.

Zukunft des Hafens, Zukunft des Mittelhafens

Das gesamte Areal der Osmo-Hallen und benachbarte Flächen sind mittlerweile mit An- und Neubauten beplant: Wohnungen gehobenen Standards, ein Boarding- House, Büroflächen und ein Einkaufszentrum sollen nördlich des Hafens entstehen. 2010/2011 wurde von Seiten der Stadt der Beteiligungsprozess des „Hafenforums“ initiiert, um zu versuchen, die Bevölkerung in die Umgestaltung des Hafengebiets mit einzubeziehen. Das „Hafenforum“ beschäftigte sich vorrangig mit diesen sich damals in Planung befindlichen Bauvorhaben. Der Mittelhafen auf der Südseite, auf welchem sich der Hill-Speicher befindet, wurde nur ansatzweise besprochen. Im entstandenen Masterplan findet sich einzig die Vorgabe, „Nicht störende allgemeine Gewerbe- und Handwerksbetriebe und Betriebseinheiten für Büro, Herstellung, Ausstellung und Vertrieb / nicht störende temporäre Zwischennutzungen“ zu schaffen. Aufgrund des „GuD-Kraftwerkes“ und seiner Lärmemissionen ist eine Wohnnutzung ohnehin nicht möglich, die Gastronomie soll nicht erweitert werden.

Preisanstieg und Konsequenzen

Der Gewerbestandort Hafen ist aktuell der am Meisten nachgefragte in Münster, mit Spitzenmieten in Neubauten von 14€/m2, sowie 11,50€/m2 als Durchschnittsmietpreis*** — im neu gebauten „H7“ werden wohl schon 16€/m2 verlangt. Die „Waterfront“ lockt Firmen und Investoren, da die Lage Prestige verspricht. Die Verschärfung des Immobilienmarktes wird durch die niedrigen Zinssätze begünstigt. Aber die pure Schaffung von Gewerbeflächen nimmt dem Hafen seine Heterogenität und Vielfalt, besonders auf der bislang so freien Südseite, welche bei den ersten warmen Temperaturen spontane Jam-Sessions hervorbringt. Für eine freie Szene und kulturellen Austausch braucht es Orte, an denen die Akteure schaffen, sich treffen, leben und sich ausprobieren können — in einem profitfreien Raum, nachhaltig verankert ohne von Verdrängung bedroht zu sein, aus dem Herzen der Gesellschaft und im Herzen der Stadt.

 

Weiterlesen: „Für das Hafenviertel, für die Kreativen“

 


* vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR): Umstrukturierung im Stadthafen: Münster-Hafenviertel „Kreativkai“
http://www.werkstatt-stadt.de/de/projekte/139/

** Die Miete liegt zur Zeit 6,50€/m2 Warmmiete

*** vgl. Büromarktstudie 2016 – Wirtschaftsförderung Münster, S.14,
http://www.wfm-muenster.de/media/bueromarktstudie_2016_72dpi.pdf