Chico Mendes Münster

Das „Proyecto de Reforestación Chico Mendes", benannt nach dem gleichnamigen, brasilianischen Umweltschützer und Gewerkschafter, liegt etwa 12km außerhalb von Quetzaltenango, der zweitgrößten Stadt Guatemalas, im Dorf Pachaj.

So auch in Pachaj, dem Wohnort von Armando Lopez, Gründer von „Chico Mendes“. Hier scheint die Welt in Ordnung. Man ist vergleichsweise gut versorgt. Es gibt kleine Geschäfte, einen Fußballplatz und sogar eine Arztpraxis. Auf den zersiedelten Hängen des weitläufigen Tals, wächst zwischen den verstreuten Häusern der Mais, von dem sich seine Bewohner ernähren. Doch selbst dieses bescheidene Glück ist bedroht.
Die Regierung will gegen den Willen der Bevölkerung ein nahegelegenes Gefängnis um das doppelte vergrößern und das Wasser der Gemeinde privatisieren (um es so denselben Leuten, die es momentan kostenlos nutzen, teuer zu verkaufen - ein interessantes Geschäftsmodell).
In benachbarten Departementos soll es demnächst weiteren transnationalen Konzernen (u.a. Sierra Negra und Cemento Progreso) erlaubt werden, auf Gemeindeland nach Bodenschätzen zu suchen. Die Folgen sind aus anderen Gegenden des Landes bereits bekannt: Landraub, eine beispiellose Umweltzerstörung und Trinkwasserwasserverschwendung in höchstem Ausmaß.
Des Weiteren versuchen natürlich auch die bei uns bestens bekannten Agrarkonzerne (Bayer, Monsanto usw.) hier Fuß zu fassen. Das Ziel ist, wie fast immer bei Unternehmen dieses Kalibers, langfristig Abhängigkeiten durch den Verkauf von schädlichen Pestiziden und genverändertem Saatgut zu schaffen. Diese schaden der Natur und helfen niemandem weiter außer dem Unternehmen selbst. Es geht hierbei auch ausdrücklich nicht um die Verbesserung irgendwelcher Lebensbedingungen. In Pachaj muss niemand hungern. Die Leute essen ganz einfach den „falschen" Mais.
Solche Unternehmen zahlen in der Regel 1 Prozent Steuern, die angeblich in die Verbesserung von Infrastruktur und Gesundheitsversorgung fließen sollen. Wer einmal ein öffentliches guatemaltekisches Krankenhaus von innen gesehen hat weiß, dass dieses Geld niemals dort ankommt. Es fließt in die Taschen der korrupten Politiker, die zuvor die milliardenschweren Aufträge an eben jene Firmen vergeben haben.
Auch in Pachaj ist die Korruption offen sichtbar. Der Bürgermeister besitzt gleich zwei mehrstöckige, hochmoderne Häuser, die so gar nicht in die einfache, ländliche Umgebung passen wollen. Korruption selbst auf der untersten politischen Ebene. Weiter oben sieht es nicht besser aus - ganz im Gegenteil.

Wir erzählen Ihnen das alles, weil „Chico Mendes“ einen intelligenten, pazifistischen Widerstand organisiert - alles über Wiederaufforstung. Der Umwelt- und Klimaschutz-, sowie der Bildungs- und Emanzipationsaspekt spielen im Projekt eine genauso große Rolle.

In „Chico Mendes“ werden seit 1998 auf 252 Hektar Gemeindeland pro Jahr zwischen 5000 und 20.000 Bäume gepflanzt. Dabei werden großflächig geschützte Baumarten oder solche, die geschützte Tierarten anlocken, eingesetzt, sodass man die bepflanzten Bereiche unter Schutz stellen kann. Dank dieser Strategie lassen sich Privatisierungen und andere unerwünschte Eingriffe in Zukunft präventiv verhindern

Bei seinen Wanderungen mit Freiwilligen scheut Armando keine direkte Konfrontation mit illegalen Holzfällern. In der Gegend um Pachaj sind es oft selbst arme Leute, die Holz schlagen um es privat weiterzuverkaufen. Sie sind jedoch eher ein Symptom von Perspektivlosigkeit, mangelnder Bildung und Straflosigkeit im Land, als die Verursacher des Problems. Eine schwierige Situation, da sie nach ihrem Gewohnheitsrecht, jedoch gegen das Gesetz und langfristig auch gegen ihre eigenen Interessen und die ihrer Kinder handeln.
Denn die Wälder sind der wichtigste Lieferant für sauberes Trinkwasser. Sie halten die Erosion der Böden auf und verhindern so Überflutungen und Bergrutsche. Sie säubern die Luft und machen die Hitze der Trockenzeit erträglich. Im globalen Kontext helfen sie, das CO2 langfristig zu binden und damit dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Der Kollaps des Ökosystems wäre gerade in einem, politisch und gesellschaftlich so fragilen, Land wie Guatemala gleichbedeutend mit dem Kollaps der gesamten Gesellschaft.
Natürlich verfügt das Projekt allein nicht über die Mittel und Möglichkeiten, den traurigen Gesamttrend des Abholzens zu stoppen, aber jeder gepflanzte Baum ist ein kleiner Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und damit eine Investition in die Zukunft und Unabhängigkeit der Guatemalteken.

Die Arbeit in Pachaj ist vielfältig: Bäume pflanzen und pflegen, Samen sammeln, die Umgebung der Bäume von Unkraut befreien, oder auch die Setzlinge in einer der beiden Baumschulen bewässern.
Täglich besuchen Schülergruppen aus den umliegenden Schulen das Projekt, um ein wenig zu helfen und über dessen Hintergründe zu erfahren.
Hier steht die Bildung der Schüler im Vordergrund. Ziel ist es ihnen, die oft in Armut und Perspektivlosigkeit aufwachsen, ein Bewusstsein für ihre Umwelt, die Bedrohung der Wälder und den langwierigen Wachstumsprozess vom Samen bis zum ausgewachsenen Baum zu vermitteln. Dies geschieht nicht über schulischen Unterricht, sondern vielmehr über das Arbeiten und die Partizipation am Projekt. Jeder Schüler trägt seinen Teil bei und nach getaner Arbeit ist ein Fortschritt zu erkennen. Die Kinder und Jugendlichen werden motiviert sich einzubringen. Ihnen wird gezeigt, dass sie selbst etwas bewirken können.
So stärkt Armando das Selbstbewusstsein der zukünftigen Generationen. Er hält sie dazu an, zusammenzuarbeiten, Dinge zu hinterfragen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und auf ihre Umwelt zu achten. Im Hinblick auf die Emanzipation der indigenen Bevölkerung Guatemalas ist diese Vermittlung von Selbstbewusstsein und kritischem Denken von großer Bedeutung, denn die Nachkommen der Maya leiden noch immer unter einer starken rassistischen Diskriminierung und extremer Armut, die oft mit schlechter Bildung und einem geringen Selbstwertgefühl einhergeht. Rund 3600 Schüler haben das Projekt schon besucht.

Die Anwesenheit von Freiwilligen aus den reichen, westlichen Ländern dient nicht ausschließlich dem Arbeitseinsatz, sondern auch der Bekanntmachung und gleichzeitig dem Schutz des Projekts. Denn wo Ausländer arbeiten und dokumentieren, kann man unerwünschte Personen nicht einfach mundtot machen. Außerdem macht es das Projekt grundsätzlich interessanter für die lokalen Autoritäten, die ihm im Gegenzug mehr Neugier und Respekt entgegen bringen. Viele Freiwillige bleiben „Chico Mendes“ nach ihrem Besuch in Pachaj verbunden und unterstützen Armando und seine Helfer mit spenden oder anderweitig.

Zu den diesen Zeiten könnt ihr die B-AUSTELLUNG besuchen
Samstag, 12.09.: 13:00 bis 16:00 Uhr
Sonntag, 13.09.: 16:00 bis 19:00 Uhr
Montag, 14.09.: 14:00 bis 17:00 Uhr
Dienstag, 15.09.: 14:00 bis 17:00 Uhr
Donnerstag, 17.09.: 14:00 bis 17:00 Uhr
Freitag, 18.09.: 14:00 bis 17:00 Uhr
Samstag, 19.09. 12:30 Bis 16.30 Uhr